Gudula und Theo Weischer seit 20 Jahren im Tauschring Emsdetten

"Ein Faltblatt, das in der Stadtbibliothek auslag, weckte vor etwa 20 Jahren mein Interesse am TR, dem Tauschring Emsdetten", erinnert sich Gudula Weischer. Da gab es also in der Wannenmacherstadt eine Reihe von Leuten, die sich gegenseitig halfen. Jeder so, wie er oder sie es am besten konnte und gerne tat. Ohne dafür Geld zu verlangen. Kein Verein, aber eine Interessengemeinschaft, in der man sich durch monatliche Treffen kennt und deshalb vertrauen kann. "Das gefiel mir", so die gelernte Diätassistentin, die zu diesem Zeitpunkt noch in ihrem Geburtsort Borghorst wohnte, aber bereits mit ihrem späteren Ehemann, dem Ur-Emsdettener Theodor Weischer, liiert war. Ein Anruf beim damaligen TR-Vorsitzenden Martin Burholt verstärkte Gudulas Wunsch, sich über Details zu informieren. Und Martin, der erst ein Jahr zuvor zusammen mit seiner Frau Monika die Tauschring-Idee nach Detten geholt hatte, lud die agile Interessentin gerne zum folgenden TR-Treffen ein. Das fand damals noch bei Beckwermert statt. "Schon die freundliche Aufnahme dort und die angenehme Atmosphäre in der Kennenlernrunde gaben mir das Gefühl, dass ich hier richtig bin." "Meine Frau ist sehr vielseitig begabt. Vom Tapezieren übers Streichen oder Teppichboden verlegen bis hin zu Torten backen, im Garten helfen, Auto oder Fenster putzen, jemanden wohin fahren - es gibt kaum etwas, wo sie passen müsste", schwärmt Theo Weischer, den Gudula schnell für den Tauschring begeistern konnte. So brachten sich die Beiden unter anderem als Team ein, wenn bei Mitgliedern Umzüge angesagt waren. Theo, der gelernte Landwirt und Schlosser, übernahm zum Beispiel mit seinem Anhänger den Transport zur neuen Wohnung, hängte Lampen auf, bohrte Löcher und versenkte Dübel, um Regale zu montieren. "Als wir 2004 nach Emsdetten in unser Haus zogen, konnten wir natürlich ebenfalls auf reichlich tüchtige Helfer zurückgreifen." Die gegenseitige Unterstützung oder auch das Tauschen von Kleidung, Haushaltsgeräten oder anderen Dingen und deren bargeldloser Ausgleich in Talenten, der "Währung" im Tauschring, ist zwar die TR-Grundidee. "Aber da ist noch mehr. Denn der Gemeinschaftsgedanke ist uns mindestens genauso wichtig." So mögen die Zwei besonders die vor Corona möglichen Sommerfeste und Weihnachtsfeiern sowie die internen Flohmärkte oder Aktionen wie die Werbung für den TR mit Ständen bei verschiedenen Emsdettener Veranstaltungen. Als die TR-Mitglieder ihre Angebote und Anfragen noch in gedruckter Form als sogenannte TR-Zeitung kommunizierten, übernahm Gudula zeitweise deren gestalterische und inhaltliche Herstellung. Heute erfahren Interessierte unter www.tauschring-emsdetten.de, wer aktuell was benötigt oder anbietet. "Wir möchten uns auf jeden Fall wieder mehr innerhalb des Tauschrings einbringen", betonen Gudula und Theo, die in den letzten Jahren im TR gezwungenermaßen etwas kürzer treten mussten. So unterstützte Gudula längere Zeit intensiv ältere Verwandte und sprang nebenher noch auf Zuruf als Taxifahrerin bei Barenkamp ein. Theo wiederum ist als selbstständiger Unternehmer im Metallbau und als Schlosser mit der Herstellung von Rahmen und Gestellen, von Treppen, Balkons und Carports immens eingespannt. "Da blieb uns kaum noch Zeit für ein Engagement im Tauschring." Vor allem bei Gudula hat sich die Situation inzwischen entspannt. "Bin mit frischem Elan wieder dabei und würde mich freuen, auch mit neuen Mitgliedern Kontakt aufnehmen zu können. Je mehr Teilnehmer mit regen Aktivitäten, desto effektiver funktioniert das System für alle", wirbt die leidenschaftliche Autofahrerin für den TR.

Gudrun Denker ist eifrig im Tauschring Emsdetten dabei.

"Es ist interessant, wie positiv sich der Tauschring Emsdetten in jüngster Zeit weiterentwickelt hat", sagt Gudrun Denker. "Das ist einer der Gründe, warum ich nach einer längeren Pause wieder aktiv in dieser Interessengemeinschaft mitmache." 2004, also in einer relativ frühen Phase des inzwischen seit 21 Jahren bestehenden Tauschrings (TR), trat die in Detten durch ihre Praxis in der Bachstraße und durch das frühere Juweliergeschäft ihrer Eltern bekannte Ergotherapeutin ein. "Damals tauschten wir fast ausschließlich Zeit gegen Zeit." Will heißen, die TR-Mitglieder halfen sich gegenseitig im Haushalt, im Garten, bei kleinen handwerklichen Reparaturen, Besorgungen, am Computer und, und, und. Jedes Mitglied übernahm die Aufgaben, die es gut beherrschte und gern machte. Das ist auch heute noch so. Hinzu kamen aber mehr und mehr Tausch-"Geschäfte" mit den unterschiedlichsten Dingen aus dem täglichen Leben. Gebrauchtes oder selbst Hergestelltes wechselt gegen Talente häufiger den Besitzer. Mal ist es der Pullover, der nicht mehr passt, mal der selbst produzierte Eierlikör oder die kreativ gestaltete Handtasche. 2004 war die gelernte Krankenschwester gerade nach den "Lehr- und Wanderjahren" wieder zurück in ihrer Heimatstadt und wollte hier in Detten sesshaft werden. "Als alleinerziehende Mutter war das aber gar nicht so einfach. Ich suchte einen Babysitter und wurde durch einen Artikel in der EV auf den Tauschring aufmerksam." Das war die Lösung. Denker fotografierte und nähte zu dieser Zeit schon gerne. Auch im Garten konnte sie gut zupacken. So bot die quirlige, damalige Mittdreißigerin gegen sogenannte Talente im Tauschring genau diese Leistungen an. Außerdem erhöhte sie ihr internes Guthaben, indem sie die TR-Zeitung mit den vielfältigen Angeboten und Nachfragen erstellte und verteilte. Im Gegenzug fand sie bei Bedarf jemanden, der auf ihre Tochter aufpasste. "Damals trafen wir uns am jeweils letzten Montag im Monat um 19.30 Uhr bei Beckwermert. Heute ist das Café Leselust unser Domizil." Der regelmäßige Termin aber blieb bis auf wenige Ausnahmen. Seit gut einem Jahr ist sie also wieder eifrig dabei. "Statt Babysitter benötige ich nun ab und an einen, der mit meinem Hund Gassi geht, auch jemanden, der mal ein Möbelstück repariert." Zu den Treffen bringt sie handgefertigte Armketten, Leseknochen, Lesezeichen, Taschentuchetuis, je nach Saison Weihnachts- oder Oster-Geschenktaschen und vieles mehr mit. "Die Ideen finde ich meist im Internet. Dann lege ich los. Und für die Karnevalsgruppe eines Mitglieds habe ich mal die Kostüme genäht." Wann und wie schafft Gudrun das alles? So eben neben Haushalt und Ergotherapie -Praxis, für die sie wegen der vielen Klienten dringend weitere Mitarbeiter sucht? "Die Kreationen für den Tauschring und der lockere Info-Austausch bei den Treffen, ja selbst der Nachhilfe-Unterricht für ein TR-Mitglied aus Syrien sind für mich Entspannung pur. Alles zusammen ein herrlicher Ausgleich zum Job."

Tauschring Emsdetten 2.0

"Nächstes Jahr feiert der Tauschring (TR) Emsdetten sein 20-jähriges Bestehen. In das Jubiläumsjahr gehen wir mit viel Schwung, neuen Ideen und etlichen Veränderungen. Sozusagen mit einem Tauschring 2.0", freut sich schon jetzt Martin Burholt auf 2019. Der 50-Jährige weiß, wovon er spricht. Zusammen mit seiner Frau Monika stieß er 1999 auf Informationen über solche Interessengemeinschaften in anderen Städten, fand die Idee auch für Detten gut und war schließlich dabei, als der Tauschring Emsdetten 1999 aus der Taufe gehoben wurde. Seit Jahren beteiligen sich die Beiden maßgeblich an der Entwicklung des TR. "Wegen des Umbaus unseres Hofes in Veltrup und anderer Gründe haben wir uns eine Zeitlang nicht so intensiv eingebracht wie früher. Aber jetzt geben wir wieder Gas", so der erfahrene Handwerker, der den anderen TR-Mitgliedern unter anderem mit kleineren Schreinerarbeiten, im Garten oder beim Umzug zur Seite steht. "Gas geben" ist für die beiden Macher keine Worthülse. So waren sie gerne bereit wieder in der neu zusammengestellten so genannten Kerngruppe, dem Leitungsgremium des TR, mitzuwirken. "Natürlich suchen wir immer Menschen, die sich wie wir gegenseitig helfen, ohne dass dabei Euros fließen, eben tauschen ohne Geld. Mehr Teilnehmer bedeutet mehr Angebote und Möglichkeiten", wirbt Inge Bosse. "Neu ist, dass unsere Treffen ab sofort, also ab dem 29. Oktober, im Lesecafé der Stadtbibliothek stattfinden. Und zwar wie bisher jeden letzten Montag im Monat um 19.30 Uhr. Vielleicht können wir ja auch durch den neuen Standort weitere Interessenten gewinnen." Die Räumlichkeiten stellt freundlicherweise die Caritas zur Verfügung, die selbst TR-Mitglied und bei den Treffen regelmäßig durch Mitarbeiterinnen vertreten ist. "Das passt gut in unsere Philosophie", erklärt Claudia Hoffmann. "Denn als Gegenleistung hilft einmal im Monat jemand von uns im Lesecafé und erhält dafür von uns Talente gutgeschrieben." Diese "Währung" akzeptieren die Burholts auch für Eier ihrer Hühner, die auf einer großen Wiese frei laufen und in einem mobilen Stall übernachten dürfen. "Natürlich kaufen andere Leute die Eier ebenso und zahlen dann mit Euro", schmunzeln die Beiden und berichten bei der Gelegenheit von ihrer neuesten Errungenschaft. "Kürzlich haben wir ein Hühnermobil der neuesten Generation eingeweiht, in das erst kürzlich 70 Junghennen eingezogen sind. Im nächsten Frühjahr kommen 70 weitere dazu. Selbst 200 hätten da reichlich Platz, um nach dem Scharren und Picken auf der 3500 Quadratmeter großen Wiese hier ohne Stress zu schlafen und ihr tägliches Ei in eines der 32 Nester zu legen, von wo es sanft und sauber in bequem zugängliche Entnahmekörbe kullert." Der Wagen ist leicht zu reinigen und seine Inneneinrichtung mit den Sitzstangen sowie den Computer gesteuerten Futter- und Wasserstellen und der optimalen Beleuchtung ist richtig gut durchdacht", so Martin begeistert. "Die Zeit zum Plätzchenbacken kann kommen. Eierbestellungen dafür liegen schon vor." "So wie wir den Mitgliedern Eier anbieten, könnten doch zum Beispiel Garten- oder Kleingartenbesitzer beim TR mitmachen und ihre Erzeugnisse gegen Talente vermarkten. Dafür würden sie davon profitieren, dass andere ihnen etwas nähen, reparieren, renovieren oder anderweitig helfen", will Monika weiteren Dettenern Lust aufs "Tauschen ohne Geld" machen.


Tanze das Leben

"Kannst du das auch?", fragen manchmal Mitglieder des Tauschrings Emsdetten (TR) bei Charlotte Schmengler Tätigkeiten nach, die sie offiziell gar nicht anbietet. "Oft kann ich guten Gewissens mit ja antworten", so die äußerst vielseitige, agile Gymnasial-Lehrerin im Ruhestand. Gefragt nach ihren Hobbys, Freizeit-Aktivitäten und Fertigkeiten, sprudelt es aus der gebürtigen Essenerin, die seit 24 Jahren in Detten lebt, nur so heraus. Da ist von Sprachen die Rede. Sie beherrscht gut Französisch sowie Englisch, womit sie bei Übersetzungen helfen kann, und eignet sich derzeit noch kyrillisch an, weil sie ehrenamtlich bulgarische Kinder betreut. Hinzu kommen so verschiedene Dinge, wie Hilfe am Computer ("Da bin ich fit."), Kisten packen bei Umzügen ("Damit verdiente ich meine ersten Tauschring-Talente."), Kuchen backen (zum Beispiel für die TR-Fahrradrallye am 26. Mai), Haare schneiden ("schon über 40 Jahre, auch mir selbst"), Tai-Chi, Ernährungsberatung in Bezug auf Allergien sowie Tanzkurse. Letzteres hat es der ausgebildeten Tanzlehrerin für Meditativen Tanz (mit Kursen unter anderem in der Martin-Luther-Gemeinde) sowie Lehrerin für Tanzimprovisation, Körpersymbolik und Tanztheater besonders angetan. Und diesem Angebot verdankt die 61-Jährige mit dem Motto (frei nach Nietzsche): Tanze das Leben, das bisher schönste Erlebnis während ihrer Teilnahme am Tauschring. Zum TR-Sommerfest hatte ein TR-Mitglied vom Caritas einen gehörlosen jungen Mann mitgebracht, der dort bei dem von Schmengler angeleiteten éTanzen im Kreis mit Charlotte' mittanzte: "Er strahlte, war so glücklich und drückte das intensiv in seinem Tanz aus." Auf den Tauschring wurde die Geschäftsführerin des Forum Martinum e. V. und Sängerin im Vocal-Ensemble Martinum vor zwei Jahren durch einen Flyer aufmerksam. Seitdem ist sie engagiert dabei. "Es gibt so viele Dinge, die man tauschen oder teilen kann, auch wenn einem nicht alles sofort einfällt." So ist das Fazit für Charlotte eindeutig: "Ich bin vom Prinzip Tauschring begeistert."

Aktivposten in der Kerngruppe

"Die Idee fand ich damals schon gut." Entspannt lehnt sich Claudia Hoffmann zurück und denkt schmunzelnd an die ersten Berichte zum Tauschring (TR) Emsdetten, die sie schon neugierig gemacht hatten. Damals, das war vor mehr als 15 Jahren. "Da schwärmte Sieglinde beim Tischtennis-Training des TTV in der Diemshoff-Halle von den tollen Möglichkeiten, die sich den TR-Mitgliedern böten", erinnert sich Claudia. Warum schloss sie sich dann erst vor etwas über zwei Jahren dieser Interessensgemeinschaft an? "Ich dachte immer, ich kann ja nichts Besonderes und hätte den anderen daher nichts zu bieten", so die Industriekauffrau, die ihr Abitur nur dann erwähnt, wenn jemand für sein Kind Nachhilfe in Deutsch, Englisch oder Mathe sucht. Als sie im Februar 2014 viel Zeit hatte, nach Ideen suchte diese sinnvoll zu nutzen und sie sich in verschiedenen Ehrenämtern engagierte, gelangte der Tauschring wieder stärker in ihr Blickfeld. "Der Schuldnerberatung ehrenamtlich zuzuarbeiten ist okay für mich. Auch Kindern im Rahmen einer Schülerpatenschaft zur Seite zu stehen macht ja Freude. Auf der anderen Seite suchte ich Hilfe für meinen Garten, weil es zu zweit mehr Spaß macht." Deshalb besuchte die begeisterte Tennis- und Tischtennisspielerin ein TR-Treffen ("jetzt bei Pötter an jedem letzten Montag im Monat") und informierte sich dabei über gute sowie weniger gute Erfahrungen der Mitglieder. Bei der Gelegenheit hörte sie die Frage: "Wer hilft mir beim Umzug?" Sie sagte einfach zu und erweiterte damit gleich ihre ursprünglich angedachte Angebots-Palette. Längst hat die sympathische Powerfrau ihre Rolle im TR gefunden. Die 53-jährige engagiert sich sehr gern in der Kerngruppe um die Vorsitzende Hannelore Jäger ("Die Zusammenarbeit klappt super."), gestaltet und druckt die erste Seite von "Tauschring aktuell", in der die Angebote sowie die Gesuche der Mitglieder dargestellt werden, und weist regelmäßig Spitzenwerte bei ihrer persönlichen "Talente"-Bilanz vor. "Ich finde es gut, dass wir hier mit den so genannten Talenten eine Art eigene, bargeldlose Währung haben, dass dabei alle, unabhängig davon, was sie anbieten, gleich behandelt werden und dass letztlich jeder nur das tut, was ihm Spaß macht."

Helfen und helfen lassen

"Seit mehr als vier Jahren ist Inge Bosse im Tauschring Emsdetten aktiv, sammelt dabei viele Talente (Guthaben) und verbraucht sie wieder. "Ich fühle mich gesund und fit wie nie", strahlt die in Ostpreußen geborene, vitale 59-Jährige und ergänzt: "Ich habe noch 25 Jahre". Mit ihrer positiven Lebenseinstellung packt die Rentnerin ihren Alltag an. Zum Beispiel sortiert sie ehrenamtlich Obst und Gemüse für die Tafel oder nimmt teil am Tauschring Emsdetten. "Vor viereinhalb Jahren suchte ich Leute, die mir helfen sollten, Möbel zu reparieren sowie ab- und aufzubauen", erinnert sich Bosse. "Über Infos in Rheine und das Dettener Netzwerk Selbsthilfe und Ehrenamt fand ich zum Tauschring Emsdetten und damit die benötigten Helfer." Bald bot sie in diesem Kreis ihre eigenen Dienste an. "Ich erledige hauptsächlich Gartenarbeiten", so Bosse, die damit ordentlich Talente, die "Währung" im Tauschring, sammelt. Daneben hält sie weitere Tätigkeiten parat. So überrascht die eher kleine Seniorin damit, dass es ihr Spaß macht, bei groben Aufräumarbeiten kräftig anzupacken. "Dann helfe ich Dachböden, Garagen oder Keller auszumisten." Oder sie kellnert bei Familienfeiern anderer Mitglieder beziehungsweise bei Veranstaltungen des Tauschrings, zu denen das jährliche Sommerfest zählt. "In Notfällen springe ich zudem kurzfristig ein, um Haushaltsarbeiten zu übernehmen." Zwischenzeitlich wuchs ihr Guthaben so auf mehr als 300 Talente an. "Und die konnte ich erst kürzlich gut gebrauchen. Denn als ich jetzt innerhalb Emsdettens umzog, standen mir bis zu neun Helferinnen und Helfer zur Seite." Ob einpacken, bügeln, Möbel abbauen, transportieren und wieder aufbauen oder Elektrogeräte und Lampen anschließen, Regale und Spiegel montieren, für alles fand Bosse helfende Hände im Tauschring. "Aber das Schöne an dieser Interessensgemeinschaft ist, dass auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommt." So wie bei der Fahrradtour am 26. Mai, zu der auch Interessenten willkommen sind. "Das ist eine gute Gelegenheit, einige der Mitglieder und damit verschiedene Angebote im Tauschring kennenzulernen."

Mailänder Dom und Haushaltshilfen

Zufrieden betrachtet der Weber Gerhard Zurloh sein Werk. Majestätisch ragen vor ihm die 135 Türme des Mailänder Doms in die Höhe. Zwar steht da "nur" ein originalgetreuer Nachbau des italienischen Sakralbaus mit 157 Fenstern etlichen Figuren und vielen anderen Details auf dem Tisch, aber selbst als 1,10 Meter hohes, 1,40 Meter langes und 85 Zentimeter breites Modell beeindruckt die Ehrfurcht gebietende Architektur des Doms. "Das war in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg", berichtet Elisabeth Werner, seit drei Jahren Mitglied im Tauschring Emsdetten (TR), über das Werk ihres Großvaters (1893 - 1981). Viele Jahre sei der Dom im Wannenmacher-Museum und danach im Foyer des St.-Josef-Stiftes zu bewundern gewesen. Zu einem der monatlichen TR-Treffen, das diese Interessengemeinschaft jeweils am letzten Montag im Monat bei Pötter abhält, hatte sie Fotos mitgebracht und erzählt: "2460 Stunden saß mein Opa an den Laubsägearbeiten. 5000 filigrane Einzelteile aus Linden- sowie Sperrholz fertigte er dabei nach Feierabend und baute sie zusammen. Meist im Scheine einer Petroleumlampe, denn in Westum hinter der Molkerei gab es damals noch keinen elektrischen Strom." Leider fehle in ihrer Wohnung der Platz für ein solches Exponat, bedauert Elisabeth, die das Erbstück vorübergehend bei sich aufnahm und es nun gerne an einen Liebhaber solcher Modelle verkaufen möchte. Auch innerhalb und mit Hilfe des Tauschrings fand sich bisher kein Abnehmer. "Ein Experte aus Münster schätzte den Wert des Unikats auf etwa 1000 Euro. Ich lasse aber mit mir darüber reden." Den anderen TR-Mitgliedern half Elisabeth schon im Garten, putzte Fenster, bügelte Wäsche oder fuhr sie beispielsweise zum Arzt. Bei Veranstaltungen der Caritas, ebenfalls Mitglied im Tauschring, half sie beim Waffelbacken und Kuchenverkaufen. Die sogenannten Talente (Verrechnungseinheit im TR), die sie für ihre Einsätze erwarb, investierte die Emsdettenerin unter anderem, indem sie sich die Haare schneiden ließ oder Kleidung abnahm. Wie sie auf den Tauschring aufmerksam wurde? "Durch Claudia Hoffmann. Beim gemeinsamen Sport schilderte sie mir die vielen Möglichkeiten der gegenseitigen Hilfe, die sich einem hier eröffnen", so Elisabeth Werner. "Ich ging dann einfach zum nächsten TR-Treffen und erhielt von der Vorsitzenden Hannelore Jäger und ihren Mitstreitern weitere interessante Infos, die mich endgültig überzeugten."


Ein zweites Leben für Krawatten

Bärbel Jürgens glänzt im Tauschring Emsdetten mit kreativen Ideen. "Klar mache ich mit", stand für Bärbel Jürgens spontan fest, als sie beim monatlichen Treffen des Tauschring Emsdetten (TR) von der Einladung des befreundeten TR Rheine zum Boßeln erfuhr. Erst seit Oktober dabei, hatte die Dettenerin schnell Feuer gefangen. Sie fühlt sich wohl in dieser Interessengemeinschaft, in die sich jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten einbringt und alle Leistungen statt mit Geld in Form von sogenannten Talenten verrechnet werden. "Den Tauschring kannte ich nur vom Hörensagen", so die 73-Jährige, deren Mann Peter einige Jahre die Tennisgaststätte an der Blumenstraße (heute "Platz 10") betrieb. "Über Annette Tesch kam ich an deren Tennis-Kollegin Claudia Hoffmann, die selbst Mitglied im hiesigen TR ist und mir ein Gespräch mit der Vorsitzenden Hannelore Jäger empfahl." "Bring doch zum ersten TR-Treffen etwas mit", schlug Hannelore ihr vor, nicht ahnend, dass sie sich selbst mit diesem Tipp eine große Freude und Bärbel einen super TR-Einstand verschaffte. "Diese Decke musste ich einfach haben", schwärmt Jäger, selbst gelernte Schneiderin, noch heute von der exzellenten Patchwork-Arbeit, mit der sich Bärbel im TR einführte. "Die habe ich aus über 860 Teilen von guten, gebrauchten Krawatten geschaffen", erläuterte sie, genoss die bewundernden Blicke im Raum und strich gleich mal ein hübsches Sümmchen an Talenten ein. "Aus den Krawatten fertige ich auch Handtaschen wie diese hier", sagte sie und zeigte ein edles Stück in die Runde, das den Teilnehmern erneut ein Raunen entlockte. "Die erste Tasche entstand vor etwa sechs Jahren. Jede ist seitdem ein Unikat, einmalig auf der Welt", so die Künstlerin stolz, die regelmäßig über 300 Krawatten zur Verfügung hat. Mussten für ihr erstes Werk noch Schlipse ("Den Begriff mag ich eigentlich nicht!") ihres Mannes dran glauben, so bezieht sie ihren Rohstoff inzwischen aus den unterschiedlichsten Quellen. "Nachschub kann ich immer gebrauchen", schmunzelt Bärbel. Bei der Vorauswahl dürfen die Taschen-Käufer noch mitwirken. Dabei geht es um die prinzipielle Farbrichtung und manches pfiffige Detail. So kann als witziges Element an verschiedenen Stellen einer todschicken Umhängetasche schon mal Snoopy auftauchen. "Die endgültige Gestaltung ist dann das Ergebnis eines kreativen Prozesses." Auch mit Nähen, Stricken und anderen Handarbeiten bringt sich Bärbel im Tauschring ein. Natürlich hat sie für den Fototermin dazu etwas vorbereitet. "T-Shirt und Hose habe ich selbst genäht, die Weste handgestrickt", bemerkt sie keck und hängt sich locker eine ihrer Patchwork-Taschen um. "Prima, dass meine Arbeiten so gut ankommen. Dafür lasse ich mir unter anderem gerne beim Tapezieren helfen. Aber genauso wichtig ist mir die Geselligkeit bei den Treffen jeweils am letzten Montag im Monat - oder eben bei Veranstaltungen wie letztens beim Boßeln mit den Rheiner TR-Freunden."

Fürs "Tauschen ohne Geld" begeistern

Antonius Lange von Beginn an im Tauschring Emsdetten. "Ja, ich bin in Emsdetten wohl bekannt wie ein bunter Hund", gibt Antonius Lange lachend zu. Wer weiß, in wieviel Vereinen und Gruppierungen sich der relativ kleine Mann schon engagiert hat, den wundert das gar nicht. So kam es nahezu zwangsläufig, dass er auch angesprochen wurde, als 1999 der Tauschring Emsdetten (TR) gegründet werden sollte. "Martin Burholt, der gemeinsam mit seiner Frau Monika die Idee Tauschring nach Emsdetten holte und dafür Mitstreiter suchte, kannte ich vom Orgelclub Emsdetten", so der nach schwerer Krankheit wieder voll genesene und agile Lange, der zwar nie selbst Orgel spielte, aber gerne mit dem Club auf Tour ging. "Wegen meiner vielen anderen Aktivitäten zum Beispiel im Schachklub, in dem ich 60 Jahre aktiv spielte, sowie im Kleingartenverein Ossenkamp, im VdK, in der Senioren-CDU, im Bürger-Schützenverein und als Sprecher der Herzsportgruppe Emsdetten, war ich mir zunächst nicht sicher, wie intensiv ich mich im TR einbringen könnte." Doch diese Sorge teilten die anderen Gründungsmitglieder gar nicht. So erkannte die heutige Vorsitzende Hannelore Jäger früh, dass Langes Organisations- und Rednertalent für die Interessengemeinschaft wertvoll sind. Auch der inzwischen verstorbene Reinhold Gremme und der heute noch im Tauschring aktive Hermann Nennen schätzten seine Fähigkeiten und vielen Kontakte und holten ihn deshalb mit ins Gründungsteam. Dass er phasenweise krankheitsbedingt weniger für den TR leisten konnte, nahm ihm später keiner übel. War er doch davor gerne dabei, wenn es darum ging, Radtouren, Kinder- und Weihnachtsfeste oder gemeinsame Ausflüge zu organisieren. Seinen Bekanntheitsgrad warf er gezielt in die Waagschale, wenn es galt, andere Menschen für die Idee des "Tauschen-ohne-Geld" zu begeistern. Da erhöhte er den Stand seines Talente-Kontos schon mal, indem er das Team am Info-Stand auf dem Marktplatz verstärkte. Außerdem begleitete er Mitglieder bei Behördengängen und half beim entsprechenden Schriftverkehr. Wofür Lange die Talente auf seinem Konto wieder ausgab? "Zum Beispiel für Reparaturen am und im Haus oder für Haushaltsgegenstände." Und für unterschiedlichste Dinge, welche die Teilnehmer zu den monatlichen Treffen mitbringen und anbieten. "Bei diesen Treffen an jedem letzten Montag im Monat bin ich, soweit möglich, immer dabei", so der heute 77-Jährige. Oft begleitet ihn seine Lebensgefährtin Renate Harke, die zwischenzeitlich selbst TR-Mitglied war. "Wir schätzen ganz besonders die Gemeinschaft, die wir bei den TR-Treffen und Veranstaltungen pflegen", so Antonius, der sich wünscht, "dass wieder mehr jüngere Familien mit Kindern die vielfältigen Möglichkeiten erkennen, die ihnen unser Tauschring bietet."

Leckere Torten und Fairer Kaffee

Marion Niehoff ist vom Tauschring Emsdetten begeistert. "Das mache ich sehr gerne. Der Service und der Kontakt zu den Gästen gefällt mir", sagt Marion Niehoff im Café Leselust und lächelt freundlich. Dann nimmt sie das Tablett mit zwei Stücken der von Thomas Ott gleich nebenan in der Küche gebackenen leckeren Torte sowie vier Tassen Kaffee ("natürlich aus fairem Handel") und trägt es zu Tisch 5. Etwa alle zwei Monate ist die 49-jährige gelernte Bürokauffrau hier an einem Mittwoch drei Stunden für den Tauschring Emsdetten (TR) im Einsatz. "Jeden letzten Montag im Monat um 19.30 Uhr dürfen sich die TR-Teilnehmer und interessierte Gäste im Café Leselust treffen", erläutert die Emsdettenerin. Da passt es gut, dass die Caritas, die das Café betreibt, auch Mitglied im Tauschring ist. "So leisten wir hier ganz im Sinn des TR als Gegenwert für die Raumnutzung jeweils drei Arbeitsstunden." Für Niehoff ist das Areal ohnehin vertraut. Denn die passionierte Yoga-Anhängerin engagiert sich ehrenamtlich im Eine-Welt-Kreis, der seit Anfang Juli in dem Café Produkte aus Fairem Handel anbietet. Überhaupt ist sie sehr vielseitig und kann eine breite Palette an Fertigkeiten vorweisen. Und diese bietet sie teilweise auch innerhalb des Tauschrings an. So nutzt es dem Frauchen des agilen Malteser-Mix Chico durchaus, dass sie im Tierschutzverein hilft. "Im Tauschring biete ich unter anderem die Betreuung von Haustieren an. Egal ob Hunde, Katzen oder Nager." Auf Wunsch backt Niehoff Bio-Brot mit selbst gemahlenem Mehl aus vollem Korn und Kuchen oder kreiert Torten. "Wenn ich in der Café-Küche aushelfe, hole ich mir schon mal die eine oder andere Anregung dafür." Diese wiederum kamen bereits verschiedenen TR-Mitgliedern zugute. "Zum Beispiel durfte ich zum achten Geburtstag der Tochter eines Angehörigen unserer Interessensgemeinschaft eine tolle Torte backen", erzählt die begeisterte Handarbeiterin, die im Kreise der "Strick-Ladys" am liebsten Socken fertigt. "2014 informierte ich mich an einem Infostand auf dem Markt über den Tauschring, der inzwischen seit 20 Jahren besteht." Seit dem fasziniert sie die Idee auf diese Weise Geld zu sparen. "Mit sogenannten Talenten begleiche ich Leistungen innerhalb des TR beziehungsweise verdiene sie mir mit meinen Einsätzen." Das Tauschen von Leistungen, also das gegenseitige Helfen in jeglicher Form, oder von Kleidung und anderen Dingen ist ein Grund für Niehoff hier dabei zu sein. Genauso wichtig sind ihr aber auch die monatlichen Treffen und gemeinsame Aktivitäten wie Sommerfeste und Weihnachtsfeiern. "Das schafft Vertrauen. Man kennt sich und holt sich nicht irgendwen ins Haus." Am liebsten würde sie viel mehr tauschen. "Da wäre es gut, wenn die Mitgliederzahl steigen würde. Denn je mehr mitmachen, desto vielseitiger sind Angebot und Nachfrage."


Todesangst war ständiger Begleiter

"Ja, meine Frau Rolat Alhakim und ich haben die Sprachprüfung A2 in Deutsch bestanden", antwortet Samir Naso und lächelt bescheiden. Zurückhaltend sitzt der sympathische Kurde aus dem syrischen Aleppo beim monatlichen Treffen im Café Leselust zwischen anderen Mitgliedern des Tauschrings Emsdetten. Aufmerksam hört er zu und versucht, den Gesprächen zu folgen. Manchmal fragt er nach, um besser zu verstehen. "Deutsch ist schwer. Vor allem, wenn die Leute schnell sprechen." Bis auf Charlotte Schmengler, die den handwerklich geschickten Samir für den Tauschring gewann, weiß kaum einer in der Runde, welcher Leidensweg hinter ihm und seiner Familie liegt. Sie half beim Deutschlernen und unterstützte die Familie bei der Wohnungssuche. "Mirvan, unser jüngster Sohn, war sieben Jahre alt, als wir 2012 entschieden, aus dem teilweise schon von Bomben und Raketen zerstörten Aleppo zu fliehen. Er besuchte gerade die erste Schulklasse und wir hatten Angst. Denn wir wussten nie, ob er lebend wieder nach Hause kommen würde. Manche Kinder besuchten deshalb schon nicht mehr den Unterricht." Auch ihr ältester Sohn Jwan (damals 16) und Tochter Avin (14) traten den gefährlichen Weg mit an, von dem damals keiner wusste, wohin er führt und wie lange er dauert. Das Ziel war zunächst die Türkei. In Izmir lebte und arbeitete bereits ein Cousin. Mit dem Bus fuhren sie zu einem Dorf in der Nähe der türkischen Grenze, die sie im Dunkeln zu Fuß erreichten und überquerten. "Das war lebensgefährlich. Hätten uns die türkischen Soldaten erwischt, hätten sie uns zurück gejagt oder vielleicht sogar erschossen." Unter großen Entbehrungen und mit erheblichen Einschränkungen lebte die Familie drei Jahre in Izmir. Samir und Jwan arbeiteten als Bügler und Schneider. Allerdings illegal, was die Arbeitgeber schamlos ausnutzten. Sie zahlten nur die Hälfte des üblichen Lohns. "Nur 150 Euro im Monat. Das reichte nicht zum Leben. Zum Glück halfen uns türkische Kurden mit Nahrungsmitteln." Tochter Avin durfte nicht zur Schule gehen und der kleine Mirvan war dort als Gast lediglich geduldet, durfte jedoch nicht offiziell angemeldet werden. "Aber ich lernte Türkisch, sodass ich mit dem Englisch und Deutsch, was hier in Emsdetten dazu kam, und Arabisch sowie Kurdisch aus meiner alten Heimat jetzt insgesamt fünf Sprachen spreche", so der Junior, der heute begeistert und erfolgreich die Geschwister-Scholl-Schule besucht. Als Avin in der Türkei heiratete und sich mit ihrem Mann durch Flucht nach Deutschland aus ihren unwürdigen Lebensverhältnissen befreite, wagte Familie Naso diesen Schritt mit ungewissem Ausgang ebenfalls erneut. Mitten in der Nacht fuhren Samir, Rolat und Mirvan zu einem Strand, wo bereits weitere Menschen warteten. Unter ihnen Jwan, der inzwischen geheiratet hatte, mit seiner Frau und ein Cousin von Samir mit seiner Familie. "50 Personen, darunter zehn Kinder, stiegen dort in ein nur neun Meter langes Schlauchboot, um in Richtung Griechenland zu starten", erinnert sich der Filius. Alles schien reibungslos zu verlaufen. Doch plötzlich, mitten auf dem Meer, gab der Motor seinen Geist auf. Vergeblich schickten die hilflos auf dem Wasser Treibenden Hilferufe in Richtung Türkei. Aber die verwies an die Griechen und umgekehrt. Wieder machte sich Angst breit, bis Fischer in einem kleinen Boot sie entdeckten und an die Küste einer griechischen Insel schleppte. Es folgten drei kalte Nächte auf der Straße. Es war Oktober. "Wir hatten Hunger und Glück. Denn der Inhaber des Geschäftes, vor dem wir saßen und auch schliefen, gab uns zu essen." Dann führte der stressige Weg über den Balkan, dauernd begleitet von der Angst vor Krankheiten. Nach 12 Tagen erreichten sie Österreich. "Endlich essen, duschen, schlafen." Per Zug ging es über die Grenze nach Deutschland und der Zufall wollte es, dass Samir und seine Lieben schließlich in Emsdetten landeten. Die Wannenmacherstadt empfing sie freundlich, hatte aber anfangs nur begrenzten Wohnraum zur Verfügung. So musste sich die fünfköpfige Familie mit zwei weiteren Personen zunächst eine Dreizimmerwohnung teilen. "Dank der Hilfe von Charlotte bekamen wir im September 2017, wie schon vorher unser Sohn, eine eigene Wohnung, die ich komplett selbst tapeziert und eingerichtet habe", so Samir. "Einschließlich Lampen aufhängen und Küchenmontage. So etwas habe ich auch schon in Aleppo gemacht. Hier in Detten kann ich mich damit gut im Tauschring nützlich machen. Habe daneben bei einem Umzug geholfen und Möbel aufgebaut. Zusätzlich kann ich im Tauschring mein Deutsch verbessern." Wenn Freunde ihn um Hilfe bitten, sagt er nicht nein. Samir und Rolat sind zufrieden. Ihnen geht es gut. Nur beruflich sind sie noch nicht am Ziel. "Mit der bestandenen Sprachprüfung dürfen wir arbeiten. Das möchten wir beide unbedingt." Samir hat etwas in Aussicht. Das könnte klappen. Seine Frau sucht noch. "Egal, ob Waschen oder Kochen. Gerne auch eine Tätigkeit im Altenheim", so Rolat, die leidenschaftlich strickt oder kocht. Einige Zutaten dafür ernten die beiden im eigenen Kleingarten, wo sie mit viel Liebe allerlei Obst und Gemüse anbauen. Sie hören fleißig Nachrichten und Musik. Beides in Deutsch zum Lernen und in Kurdisch. "Ja", gestehen beide auf die Frage, ob sie Heimweh nach Syrien haben. Und "ja", ob sie wieder zurück in ihre Heimat gingen, sobald dort Frieden herrsche. "Meine Mutter und eine Schwester leben doch noch dort. Und die Eltern von Rolat." Das hindert beide nicht daran, sich so gut wie möglich in Detten zu integrieren. "Ich sehe meine Zukunft auf jeden Fall in Deutschland", legt sich Mirvan selbstbewusst fest und nennt sein berufliches Ziel: "Ich möchte Polizist werden."